Auf der Flucht. Erinnerungen by Hellmuth Karasek

By Hellmuth Karasek

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From traditional start at domestic to unforeseen delivery within the open air to deliberate Caesareans, those touchingly own and humorous stories illustrate how the strategy of arrival is less significant than the affection the kid unearths whilst it eventually arrives.

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Ich weiß von der Schule und den Lehrern so gut wie nichts mehr, außer dass ein Lehrer ein Bambusstöckchen hatte, das er »Rasierseife« nannte. Wir mussten zu Beginn der Stunde die Hände auf die Tischbänke legen, die Fingerkuppen nach oben, und wenn er dreckige Fingernägel entdeckte, ließ er die »Rasierseife« herabsausen. Eigentlich denke ich ohne Schrecken daran. Ich erinnere mich auch daran, dass ich von meiner Mutter ein Lied gelernt hatte und es gerne sang: Einst war ich klein, Jetzt bin ich groß Lern lesen, rechnen, schreiben.

Und es gab die Ober in den ein wenig abgewetzten Anzügen, die im Unterschied zu den Kellnerinnen kassieren durften und das immer schwungvoll mit einem Bleistift auf einem Block taten. Und es gab überall das Kaisergelb auf den Amtsgebäuden und Schlössern und die wenigen Bäume auf den trostlos leeren Straßen in der Mittagshitze. Kopfstein, Fiaker, Kutscher und die Fenster der Häuser waren geschnitten wie in Wien am Ring, nur dass sie viele Stockwerke niedriger waren. Die Cafés und Restaurants sind heute noch so: in Graz oder Klagenfurt oder Prag oder Brünn.

Erklärt das zum Teil, dass sie bei den Nazis nach dem pompösen Flitter und Lametta der Uniformen und Ämter strebten? Vielleicht zum Teil. Die Söhne erzählten seltsame Geschichten von ihm, wie er beispielsweise im Sommer als Freiluft-Enthusiast die Familie auf dem Balkon habe schlafen lassen und alle eingeregnet seien. Wie er Kindern auf der Straße, wenn sie zu lange Haare hatten, Geld gab und sie zum Friseur schickte. Mein Vater verübelte ihm, dass er ihn als einzigen nicht hatte studieren lassen.

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